90 Jahre Musikverein Renningen e.V. – Feierlichkeiten in der Rankbachhalle

Viel Blech ohne Schaden und mit Gottes Segen

Renningen. An diese drei Tage im Herbst 2019 wird man sich beim Musikverein Renningen noch lange erinnern. Drei Tage, in denen das 90-jährige Jubiläum einen würdigen Rahmen bekam. Von der Tiroler Brass-Formation VIERA BLECH am Freitagabend bis zum ökumenischen Gottesdienst mit anschließendem Frühschoppen-Konzert am Sonntag gab es reichlich auf die Ohren. von Matthias Haug

Natürlich darf im Oktober ein Oktoberfest nicht fehlen, wenn schon das Vereinsjubiläum auf den Herbst fällt. Das war am Samstagabend mit Sicherheit günstiger als das Münchener Vorbild und nicht minder spaßig. Die „Dorfheiligen“, eine 12-köpfige Formation aus dem Unterallgäu, sorgte für die nötigen „Übungen“ auf den Bänken in der Rankbachhalle. Damit das eigentlich als Sporthalle genutzte Gebäude keinen Schaden nimmt, wurden an die Biertische und Bänke eigens kreierte Holzlatten geschraubt, um den Hallenboden zu schonen. „Wir hatten eine gut gefüllte Rankbachhalle. Unsere Gäste kamen in Dirndl und Lederhosen – echtes Wasenflair“, war der 2. Vorsitzende Kai Rentelmann zufrieden. Nachdem die „Dorfheiligen“ zunächst fast zwei Stunden böhmische Blasmusikklassiker aufgeboten hatten, bewiesen die jungen Musiker aus dem Unterallgäu fortan bei Partyhits und Popklassikern ihr Können auf den Instrumenten. „Ab da erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt und die Tanzfläche war voll. Eine angemessen rauschende Party zum Neunzigsten“, freute sich Rentelmann.

 

Am Vorabend waren die für den konzertanten Teil aufgestellten „normalen“ Tische und Stühle bis auf den letzten Platz besetzt. VIERA BLECH aus Tirol hatten sich angekündigt. Und neben der fast 280 im Vorverkauf abgesetzten Tickets kamen noch weitere an der Abendkasse hinzu. „Wir haben über 400 Gäste gehabt. Das freut uns natürlich“, war der 1. Vorsitzende, Michael Kriegler, überglücklich. Sogar Fans aus Aschaffenburg machten sich auf den Weg in beschauliche Renningen, um den Tirolern beim Verrichten ihrer Arbeit zuzuhören – und zuzusehen. Feinste Blasmusik auf allerhöchstem Niveau, gepaart mit den unterhaltsamen Ansagen von Bandleader, Komponist und Schlagzeuger Martin Scharnagl, übten auf die vollbesetzte Halle eine sich über den Abend steigernde Faszination aus. Die Polka „Von Freund zu Freund“ ist mittlerweile ein Klassiker im Programm der seit 15 Jahren bestehenden Formation. Diese gab es an diesem Abend sogar zweimal zu hören. Auch die anderen Scharnagl-Stücke wie „Vaterfreuden“ oder „Ehrenwert“ fanden mit ihren harmonischen Arrangements wohlig in den Gehörgang der Besucher. Aus dem Pop-Universum gab es „Rosanna“ (Toto), „That’s What Friends Are For“ (ABBA) oder „Something Happened On The Way To Heaven“ (Phil Collins). Bei „Spanish Bulls“ überzeugten die Trompeter als Solisten. „Cryin’“ von Aerosmith und „Sierra Madre“ beschlossen den offiziellen Teil eines bemerkenswerten Konzertabends.

Um das spielerische Können der siebenköpfigen Formation zu verdeutlichen, genügte in der Pause den zahlreich anwesenden Musikern aus verschiedensten umliegenden Kapellen zu lauschen. „Ich werfe mein Bariton weg. Ich glaube, das ist defekt“, war ein Musiker aus Unterreichenbach der musikalischen Depression nahe. Was die Österreicher da aufs Parkett legten, war aber wirklich allererste Sahne. Besonders die Eigenkompositionen, die mittlerweile auch von vielen Musikvereinen gespielt werden, wurden beeindruckend dargeboten. VIERA BLECH machten aus dem Eröffnungsabend des Jubiläumswochenendes einen besonderen Konzertabend, der bei vielen der Besucher noch lange nachhallen wird.

 

Den feierlichen Abschluss inklusive Gottes Segen gab es am Sonntag. Der 2. Vorsitzende Kai Rentelmann bezeichnete es als „wunderschöne Geste“, dass der Posaunenchor den ökumenischen Gottesdienst musikalisch umrahme. „Aus dem Posaunenchor ist der Musikverein 1929 entstanden. Es bestehen enge Verbindungen“, betonte er. Auch Stefan Eitel, der neue Chorleiter, ist im Musikverein aktiv. Der katholische Pfarrer Franz Pitzal betonte, dass alle Bürger das 90-jährge Bestehen des Musikvereins sowie das Erntedankfest an diesem Sonntag „über alle Konfessionen hinweg“ gemeinsam feiern sollen. Pfarrerin Regine Gruber-Drexler mahnte den heutzutage fehlenden Bezug der Menschen zur Natur und zur Landwirtschaft an. Renningens Bürgermeister Wolfgang Faißt hob in seiner Ansprache insbesondere die vorzügliche Jugendarbeit des Musikvereins hervor. „Wer die Jugend hat, hat die Zukunft“, so Faißt. Sogar der Bundestagsabgeordnete Florian Toncar (FDP) gab sich in Renningen die Ehre, würdigte das Engagement des Musikvereins ebenso in Sachen Jugendarbeit. Der Verein leiste einen Beitrag, dass außerhalb der Schule die Kinder und Jugendlichen eine Möglichkeit haben, ihren Vorlieben nachzugehen. „Weil wir aus ihnen keine Roboter machen wollen, sondern Menschen“, betonte Toncar. Wolfgang Faißt verneigte sich vor dem Orchester mit einem knappen aber beherzten „Chapeau“.

 

Anschließend zeigte der Musikverein Renningen seine Bandbreite der musikalischen Stilrichtungen. Klassiker wie der „Florentiner Marsch“ und „Mars de Medici“ durften ebenso wenig fehlen wie das Robbie-Williams-Medley oder die Kompilation der Jackson 5. Nach den gut zweieinhalb Stunden Konzert schloss der Musikverein sein langes Jubiläumswochenende. Ein Wochenende, das einen Eindruck hinterlassen wird bei allen, die daran beteiligt waren oder den Musikverein allein durch den Besuch der Veranstaltungen unterstützt haben.

 

Der Musikverein Renningen bedankt sich im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten für die Unterstützung der folgenden Unternehmen. Ohne sie wäre die Durchführung der Veranstaltungen nicht möglich gewesen:

 

Volksbank Leonberg-Strohgäu eG, Kreissparkasse Böblingen, Einkaufszentrum Süd, Schneck Stuckateur, Getränke Weber Merklingen, Radhaus Renningen, WOBA Radstudio, BlumenGarten Marquardt, Härtter Hoch- und Tiefbau, Faas Bauunternehmen, Ebner TV-Media- Hausgeräte, Intersport Krauss, Leuze Kunststoffbeschichtungen, BW Bank.

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